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"Nie wieder!" Gedenken an den 9. November 1938

DSC01714 1Das Gedenken an die Gräueltaten, die die Vechtaer jüdischen Familien (und nicht nur sie) damals erleiden mussten, war in diesem Jahr geprägt von dem verunsichernden Gefühl, dass wir gar nicht davor gefeit sind, dass Ähnliches wieder geschehen könnte. 


Schon in der Andacht in Klosterkirche hatten die Jugendlichen der Ludgerus-Schule spürbar werden lassen, dass ausländerfeindliche und rassistische Sprüche auch bei uns wieder gesellschaftsfähig werden.
„Meinst du wirklich, dass uns das heute nicht mehr passieren kann?“ fragte ein Mädchen in einem während der Andacht vorgetragenen „Gespräch“ zwischen mehreren Jugendlichen. –  „Schaut euch doch nur mal die Nachrichten an!“

Die Jugendlichen trugen während der Andacht ihre Träume von einer gerechten Welt vor (im Folgenden finden sich Ausschnitte aus den vorgetragenen Texten):
„Mein Traum von einer gerechten Welt ist, dass wir frei von Vorurteilen und Misstrauen gegenüber ganzen Menschengruppen leben.“

 
„Wir vergessen nicht, was damals war. So können wir erkennen, wenn sich Ähnliches wieder in unserem Land entwickelt. Mein Traum ist, dass wir dann gemeinsam solchen Entwicklungen gegensteuern.“
Trotz des Terrors des IS, trotz der Anschläge auf Flüchtlingsheime: „Wir lassen uns nicht gegeneinander aufbringen. Wir gehen weiterhin auf Festivals und zu großen Sportveranstaltungen.“
„Mein Traum von einer gerechten Welt ist, dass wir uns immer ein eigenes Bild von unseren Mitmenschen machen.“ – Am besten: „einfach mit ihnen reden.“
„Mein Traum von einer gerechten Welt ist, dass wir einander akzeptieren und respektieren, egal zu welcher Kultur oder Religion einer gehört.“ – „Jeder behandelt den Anderen so, wie man auch selbst behandelt werden will.“

 

Gedenken am „Stein“ (Juttastraße): Der stellvertretender Bürgermeister Claus Dalinghaus, selbst sehr bewegt, brachte die Schrecken der NS-Herrschaft nochmals ins Wort. Diese Schrecken sind so groß: 60 Mio Opfer, das übersteigt die menschliche Vorstellungskraft, so Dalinghaus. Gerade deshalb ist es auch so wichtig, dass wir uns das Schicksal der einzelnen Frauen, Männer und Kinder vor Augen halten. Auch sie hatten ihren Traum vom Leben. Sie haben unter uns gelebt, sind gedemütigt worden; für die meisten hat es mit der Ermordung geendet.

Zum Schlimmsten gehöre, dass die Nazis diesen Menschen die Würde genommen habe.
Dalinghaus verwies auf GG Art 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
„Der Staat, das sind wir!“ Mit diesen Worten rief Dalinghaus allen ihre Verantwortung in unserer heutigen Zeit ins Bewusstsein.

Der Schulleiter der Ludgerus-Schule, Clemens Feldhaus, knüpfte hier direkt an: Wir leben in einer Zeit, da wieder Menschen Einfluss gewinnen, „die am lautesten schreien, die über Andere schlecht reden, Menschenwürde verbal und auch tatsächlich mit Füßen treten.“ – Eine Zeit, da solche Menschen sogar Präsident sein können. Gerade die Jugend ist hier so wichtig in unserer Zeit. Feldhaus rief alle auf: „Lasst uns nicht nachlassen in dem Einsatz für Gerechtigkeit, für Frieden, für die Menschen!“

Die Jugendlichen der Ludgerus-Schule übergaben die Kerze an die Schülerinnen und Schüler des Marienhains und ihren Schulleiter Hartmut Pille. Diese werden im kommenden Jahr die Gedenkfeier zum 9. Nov. 1938 vorbereiten.