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Schulhund Balou bei der Ludgerus-Schule – Co-Pädagoge auf vier Pfoten

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Auf immer mehr Schulfluren wandern neben den SuS und Lehrkräften inzwischen auch Hunde von Klassen-zimmer zu Klassenzimmer: Sie gehören zu der wachsenden Anzahl von Schulhunden, die in Deutsch-land ihre Frauchen und Herrchen zur Arbeit als Lehrerinnen und Lehrer begleiten. Ihre Anwesenheit im Unterricht soll sich positiv auf das Klassenklima, die Lernleistung, das Verantwortungsbewusstsein und auf die Einstellung zur Schule auswirken. 

Was beachtet werden sollte, bevor die tierischen Co-Pädagogen ihren Dienst antreten dürfen und wie die SuS von den Vierbeinern profitieren, erfahren Sie hier.

 

Das erfahren Sie in diesem Beitrag

 

  • Was ist ein Schulhund?
  • Warum ein Schulhund?
  • Welche Hunde eignen sich als Schulhunde?
  • Wie viele Schulhunde gibt es in Deutschland?
  • Wo werden die Hunde eingesetzt?
  • Wie wird ein Hund Schulhunde?
  • Bevor ein Schulhund seine Arbeit aufnehmen darf
  • Positive Wirkungen von Schulhunden

 

Um welche pädagogische „Wunderwaffe“ es sich bei diesem so ange-priesenen Balou handelt, zeigt dieser Artikel:

 

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Balou ist also blond, hat dunkle Augen, vier Pfoten und verdient seine Brötchen als Schulhund an der Ludgerus-Schule in Vechta. Nachdem Hunde schon lange im Wach- und Schutzdienst, als Jagdhelfer, Mantrailer, Drogenspürhund, Schlitten-, Hüte- und Herdenschutz-hund beschäftigt sind und vor einiger Zeit die Berufsfelder des Rettungs-Therapie-, Assistenz- oder Blindenführhunds hinzukamen, öffnet sich ihnen seit einiger Zeit auch der Bereich der Pädagogik.

 

Häufig gestellte Fragen zu Schulhunden

 

Was ist ein Schulhund?

 

Schulhunde leben nicht in der Schule, sondern sind in der Regel ganz normale Familienhunde. In den Schuldienst gelangen sie durch ihre Besitzer, die einen pädagogischen Berufshintergrund haben und sich den eigenen Hund aufgrund seines Wesens und einer guten Erziehung als Unterstützung bei der Arbeit mit den SuS vorstellen können.

 

Warum ein Schulhund?

 

Die Anwesenheit eines Schulhundes im Unterricht soll sich positiv auf das Klassenklima, die Lernleistung, die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen sowie allgemein auf die Einstellung zur Schule auswirken. Der Hund übernimmt sozusagen eine psychologische, pädagogische und sozialintegrative Funktion. Dahinter stehen die Erkenntnisse der Hunde- bzw. Tiergestützten Pädagogik.

 

Welche Hunde eignen sich als Schulhunde?

 

Ausschlaggebend ist das Wesen des Hundes. Er sollte gut sozialisiert, menschenbezogen, kinderlieb, nicht ängstlich, gelassen und geduldig sein. Für den regelmäßigen Einsatz als Schulhund sollte der Hund die nötige soziale Reife haben, was je nach Hund ein bis drei Jahre dauern kann. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kommen Hunde verschiedenster Rassen (und natürlich auch Mischlinge!) als Schulhund in Frage; Hunde vom Züchter genauso wie Hunde aus dem Tierschutz.

 

Wie viele Schulhunde gibt es in Deutschland?

 

Auf der Seite des Portals Schulhundweb.de haben sich knapp 500 Pädagoginnen und Pädagogen mit Schulhund registriert (Stand: Oktober 2020). Gelistet sind dort nur Personen, die sich verpflichtet haben, einen festgelegenen Satz an Weiter- und Fortbildungsstunden zur Tiergestützten Intervention oder Hundeverhalten vorzuweisen und weiterhin zu absolvieren. Insgesamt dürfte die Zahl aber weit höher liegen.

 

Wo werden die Hunde eingesetzt?

 

Besonders häufig werden Hunde an Grund- und Förderschulen eingesetzt. Dass sich die Vorteile nicht auf diese beschränken, stellen inzwischen auch immer mehr weiterführende Schulen fest.

 

Wie wird ein Hund Schulhund?

 

Neben der Erfüllung der Grundvoraussetzungen ist eine gute Aus- und Weiterbildung von Hund und Halter wichtig. Inzwischen gibt es neben Begleit- und Therapiehundeausbildungen auch spezielle Schulhund-Ausbildungsmöglichkeiten. Über Schulhund-Arbeitskreise sind Fortbildungen möglich; mithilfe der wachsenden Zahl wissenschaftlicher Arbeiten zum Thema Schulhund und tiergestützter Intervention/Therapie können Sie Ihr theoretisches Wissen vertiefen.

 

Bevor ein Schulhund seine Arbeit aufnehmen darf:

 

Hundehalterhaftpflichtvericherung:

 

Als Hundehalter sollten Sie eine Hundehalterhaftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Erkundigen Sie sich dort unbedingt, ob Ihr Hund auch als Schulhund vollständig abgesichert ist. Sinnvoll ist es, zudem die gesetzliche Unfallversicherung zu informieren.

 

Erlaubnis einholen:

 

Die Schulleitung ist die entscheidende Instanz, bei der Frage, ob Balou zum Schulhund werden darf. Sie sollte unbedingt vollkommen hinter dem Projekt stehen! Auf diesen Termin müssen Sie sich also perfekt vorbereiten, um alle Vorbehalte aus dem Weg zu räumen und um mit Ihrer Kompetenz in Sachen Tiergestützter Pädagogik zu überzeugen.

 

Auch der Schulträger und das Schulamt sollten in Kenntnis gesetzt werden. Ein ausformuliertes Konzept, in dem Sie Informationen zur Hundegestützten Arbeit im Allgemeinen und im Speziellen zu Ihrer Arbeit mit dem Schulhund sowie der Verbindung zum Lehrplan darlegen, ist dabei sehr hilfreich.

 

Kollegium ins Boot holen:

 

Ohne die Akzeptanz der Kolleginnen und Kollegen werden Sie jedoch auch nicht froh. Versuchen Sie, alle mit an Bord zu nehmen. Es kann nicht schaden, zu erwähnen, dass Studien dem Hundestreicheln eine blutdruck- und herzfrequenzsenkende Wirkung zusprechen.

 

Schülereltern informieren:

 

Schließlich müssen Sie noch die Schülereltern informieren, um auszuschließen, dass es in den „Hundeklassen“ Kinder mit Allergien gegen Hunde oder starken Hundephobien gibt. Manche Ängste und Vorbehalte können durch die Einhaltung klarer Regeln und die Wirkung eines Hundes auf die SuS ausgeräumt werden. Kein Kind wird dazu gezwungen, mit dem Hund in Kontakt zu treten. Jede Annäherung ist freiwillig.

 

Bedenken ernst nehmen:

 

Haken Sie im Kollegium und bei den Eltern nach, ob es weitere Bedenken gibt. Niemand soll sich übergangen fühlen, sonst könnte im Vorfeld eine schlechte Stimmung gegenüber dem Projekt entstehen.

 

Eine berechtigte Frage wäre z.B., ob die Kinder durch den Hund nicht vom Unterricht abgelenkt werden. Besonders in den ersten Stunden wird der Klassenzuwachs sicher die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Verschiedene Erfahrungsberichte zeigen aber, dass sich die SuS schnell an den Hund gewöhnen und er zu einem normalen Teil des Unterrichts wird.

 

Hygieneplan erstellen:

 

Noch ein Bedenkenpunkt könnte die Gewährleistung der nötigen Hygiene sein. Am besten haben Sie deshalb vorab einen Hygieneplan erstellt, mit der Schulleitung abgestimmt und beim zuständigen Gesundheitsamt eingereicht. Neben der Sauberhaltung des Klassenzimmers und dem gründlichen Händewaschen vor den Mahlzeiten ist es besonders wichtig, dass der Hund selbst regelmäßig geimpft und entwurmt und auf Parasiten wie Flöhe, Zecken oder Milben untersucht wird.

 

Für eine gute Ausbildung des künftigen Schulhundes sorgen:

 

Für diesen Punkt ist ein wenig Selbstkritik nötig: Verfügt Ihr Hund über den nötigen Grundgehorsam, um als Schulhund eingesetzt werden zu können? Auch eine sehr gute Bindung zwischen Hund und Halter ist unabdingbar.

 

Um sich Sicherheit zu verschaffen und auch um Eltern und Schulleitung von Ihrer Kompetenz zu überzeugen, kann die Absolvierung eines Wesenstests und einer Begleit- oder Therapiehundeausbildung sinnvoll sein. Schulhund-Arbeitskreise bieten darüber hinaus häufig spezielle Fortbildungsmaßnahmen für hundegestützte Pädagogik an. Spezielle Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sind aber nicht nur wichtig, um den positiven Effekt auf den Lernerfolg und die Lernatmosphäre zu verbessern: Eine gute Ausbildung hilft Ihnen auch, Ihren Hund besser zu lesen und Stresssignale schnell zu bemerken!

 

Ist der eigene Hund als Schulhund geeignet?

 

Eine gute Erziehung allein reicht nicht: Jeder Hund hat seinen eigenen Charakter. Dieser bestimmt, ob sich Ihr Hund überhaupt als Schulhund eignet. Im Grunde kommen Hunde jeder Rasse (und natürlich auch Mischlinge!) als Schulhund in Frage; Hunde vom Züchter genauso wie Hunde aus dem Tierschutz.

Sie müssen allerdings ein paar Voraussetzungen erfüllen: Ein guter Schulhund sollte gut sozialisiert, menschenbezogen, gelassen und geduldig sein, Kinder toll finden, aber nicht so toll, dass er in ihrer Gegenwart kaum zu bändigen ist.

 

Auch wenn die Schüler rücksichtsvoll sind, kann es im Klassenzimmer schon mal lauter zugehen. Ein Vierbeiner, der auf Lärm nicht so sensibel reagiert, kommt in der Schule gut klar. Wenn er dann noch mit spontanen Zuneigungsbekundungen umgehen kann, ist viel gewonnen.

 

Ängstliche Hunde mit einer geringen Frustrationstoleranz sind in einer Schule nicht gut untergebracht.

 

Schule ist auch für den Hund Arbeit:

 

Achten Sie darauf, dass er charakterlich alles mitbringt, um auch Stresssituationen gut verarbeiten zu können.

 

Im Klassenzimmer sollten Sie für den Hund einen Platz bereitstellen, an den er sich zurückziehen kann und nicht von den SuS gestört wird. Besonders junge und ältere Hunde brauchen auch ihre Ruhezeiten. Wenn Sie einen vollen Tag ohne freie Zeit zwischen den Unterrichtsstunden haben, kann er vielleicht zeitweise beim Rektor oder im Schulsekretariat bleiben und ein Schläfchen halten. Oder er bekommt an solchen Tagen Urlaub und gönnt sich einen Ruhetag. Je nach Alter und Wesen unterscheidet sich das passende Arbeitszeitpensum von Hund zu Hund. Achten Sie unbedingt darauf, dass es ihm nicht zu viel wird! Häufiges Kratzen, Schlecken, Schütteln oder Gähnen können beispielsweisen Anzeichen für Stress sein.

 

Sie als Bezugsperson sollten in Unterrichtsstunden bei Ihrem Hund sein und ihm Sicherheit geben. So gern es vielleicht einige Ihrer Kolleginnen und Kollegen hätten: Der Hund ist kein Wunder-Lehrmittel, das man stundenweise leihen kann, um Klassenprobleme zu lösen!

 

Warum ein Schulhund?

 

Wenn Sie die relevanten Stellen informiert und alle Bedenken ausgeräumt haben, können Sie die Vorteile, die ein vierbeiniger Co-Pädagoge mit sich bringt, kennenlernen. Einige der Rollen, die ein Schulhund einnehmen kann, stellen wir Ihnen hier vor:

 

1. Verantwortungs- und Selbstbewusstseinscoach

 

2. Respektvermittler

 

3. Konzentrationstrainer

 

4. Integrationshelfer

 

5. Stressfresser und Seelentröster

 

6. Stimmungsaufheller und Motivator

 

7. Türöffner

 

8. Lehrassistent

 

9. Gutwetterfee fürs Klassenklima

 

Übrigens: Viele Schulhund-Halter stellen sich im Vorfeld auf große Bedenken und Ablehnung seitens der Eltern, Schulleitung, Kolleginnen und Kollegen ein und dürfen feststellen, dass – wenn das pädagogische Konzept gut durchdacht ist und Hund samt Halter gut geschult sind – das Interesse an einem solchen Projekt und die Zustimmung letztendlich überwiegt.

 

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